(C) 2018 Pastor Michael Ostendorf

Wenn einer eine Reise tut - Rückblick über eine Reise auf den Spuren Martin Luthers 

(Uns Kirch 38)

 

Vom 16.-21.10.2017 war eine kleine Gemeindegruppe mit 21 Erwachsenen und 2 Kindern unterwegs an die Stätten der Reformationsereignisse vor 500 Jahren. Kurz vor den großen Feierlichkeiten hatten wir Gelegenheit vieles zu erkunden, etwas zu hören, zu lernen und anzuschauen. Und das bei bestem Wetter. 

 

Es war eine wunderbare Woche! 

 

In einem kleinen Reisebus wurden wir von Angelo - unserem Fahrer - in Allermöhe abgeholt. Kaffee war gekocht. Kekse immer frisch. Und das jeden Tag neu! Was für ein Service. 

 

Erste Station war als Fahrtunterbrechung Wernigerode im Harz. Dann ging es weiter nach Erfurt, wo wir unser Hotel am Flughafen für drei Nächte bezogen. 

 

Von dort aus dann am nächsten Tag nach Eisenach und am Nachmittag rauf zur Wartburg. Erste intensive Begegnungen mir der Person Luthers und der Ausstellung „Luther und die Deutschen“. 

 

Natürlich ist vieles Geschichte, wenn nicht gar Legende. Luther hieß nicht ursprünglich Luther. Sein Geburtshaus war wohl nicht das ursprüngliche Geburts- und das Sterbehaus nicht das historische Sterbehaus. So konnten wir später in Eisleben lernen. 

 

Schon damals genoß der als Martin Luder geborene Reformator große Verehrung. So groß, dass viele gerne etwas von Luther mitnehmen wollten. Holz vom Bett, vom Schreibtisch, von den Fenstern, aus dem Fachwerk wurde raus gekratzt oder gebrochen. Fast eine Art von Heiligenverehrung, die er selbst immer für sich abgelehnt hatte. Dazu hatten auch die Bilder von Lucas Cranach dem Älteren beigetragen, der sozusagen exklusiv malen und auch interpretieren durfte. Luther, der meist gemalte Mensch seiner Zeit. 

 

Die Denkmäler oft überlebensgroß. Die Person hinter all den ikonenhaften Darstellungen zu finden - gar nicht so einfach. Und dennoch haben uns unsere Guides an allen Orten lebendig von Menschen und Ereignisse berichtet. Haben Luther und seine Mitstreiter in die Zeitgeschichte eingeordnet und so mache Stätte lebendig werden lassen. 

 

Erfurt mit Augustinerkloster - Eisleben mit Taufprojekt in Luthers Taufkirche - Leipzig mit Bezug auf die Disputation mit Johannes Eck - Halle mit der Sterbemaske Luthers - Wittenberg mit Luther- und Cranachhaus, Universität, Stadt- und Schlosskirche. Überall „Ein feste Burg ist unser Gott“, über all „Lutherrosen“, überall die Möglichkeit eine „Lutherdevotionale“ zu kaufen. 

 

Und Bücher! Schon im Vorfeld hatten wir uns mit der Theologie Luthers beschäftigt. Sola Fide… Allein der Glaube, allein Christus, allein die Schrift. Nicht Ablass - Handel mit dem Erlass von Fegefeuerstrafen sondern, dass das ganze Leben Buße sei. Dahin war es ein weiter Weg. Eine Entwicklung. Von Luder zu Luther (dem Freien). Viele waren vor Luther so unterwegs. Verloren durch die Kirche ihr Leben. 

 

Das ganze Leben war im Umbruch. Amerika wurde entdeckt, der Globus stellte das neue Weltbild dar, von dem wir spätestens seit Kopernikus Kenntnis hatten. Und diese Erkenntnisse konnten durch Buchdruck und entstehendes Postwesen weit und breit veröffentlicht werden. 

 

Luther knüpfte bei vielem an, spitzte es konsequent zu und ließ sich ganz offensichtlich auch nicht durch Drohungen von seinem Weg abbringen. „Hier stehe ist…!“ Papst und Kaiser in Macht-Interessen verstrickt: Größte Kirche bauen, Weltreich errichten. 

 

Das konnte Luther nicht imponieren, ihn nicht abbringen. Andere und ihre Haltungen und Handlungen schon. Und da konnte er wütend über das Ziel hinaus“schießen“ besser: schreiben, predigen und reden. 

 

Das hatten die Bauern, die Schwärmer und die Juden leidvoll zu spüren bekommen. Luthers Freiheitsbegriff war in allererster Linie eine Verhältnisbestimmung zu Gott. Das war laut Luther nicht einfach übertragbar. 

 

Gerechtigkeit vor Gott war alles bestimmend. Nicht die Gleichheit aller Menschen im weltlichen Sinn. Ordnung musste sein. Vor Aufruhr und Chaos hatte Luther Angst! Dagegen hatte er polemisiert und oft auch derbe beleidigt und die Fürsten zum offenen Kampf aufgefordert. Den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. 

 

Da erschien viele widersprüchlich und ambivalent. Es ist und bleibt zu Luther gehörig. Deshalb ist die Feier der Reformation nicht rückwärtsgewandt. 

 

Es gilt Luthers Freiheit und Luthers Gerechtigkeit in allen Beziehungen durch zu buchstabieren. Das eigene Denken, den eigenen Glauben in Bezug auf die Welt und auf Christus immer wieder neu auszurichten. 

 

Schauen, was „Christus heute treibt“. Dazu war diese Reise wahrlich angetan: Erfahrungs- und Lehrreich! Und genau dazu hatte Luther ja selbst immer wieder eingeladen. Das ist Grund zu feiern.

 

Michael Ostendorf

Gemeindereise: Auf Luthers Spuren 2017

Unsere Reisegruppe 2017

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