Nicht allein

Uns Kirch 41

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…

Schreibtisch im Arbeitszimmer

Handyfoto: Michael Ostendorf 

Liebe Leserin,

lieber Leser,


da liegt die erste Korrekturversion der Uns Kirch - Ausgabe 41 vor mir auf dem Schreibtisch. Zwischen Gottesdienstvorbereitung, Geburtstagsbesuch und Konfirmandenunterricht kam die Email mit der Bitte zum Korrekturlesen des ersten Layouts. Gerne. Da gibt es dann immer ein paar Kleinigkeiten. Und auch manch echt relevantes: Ein falsches Datum, ein falscher Name, ein falscher Geburtstag. Tipp- und Gedankenfehler. Ganz vermeiden lassen sie sich leider nie. 


Was aber viel augenscheinlicher war, war die Seite, auf der das Grusswort stehen sollte. Weiß - kein Wort. Kein Gruss. Rückfrage an die Redaktion: Kommt da noch was? Wer sollte es schreiben? Hmmm. Könntest du einspringen? 


Ja, gerne. Und so sehen Sie jetzt ein Foto von diesem Arbeitsprozess. Die Titelseite der Uns Kirch 41, das Perikopenbuch zum 13. Sonntag nach Trinitatis und ein Geschenk (ein Küchenhandtuch) zu einem Geburtstag. Nach einem heißen Sommer wird es langsam Herbst. Erntedank. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von Gottes Wort.“ (nach Mt.4,4) steht auf dem Küchenhandtuch. Ein Handtuch, das Arbeit zu vermitteln scheint. Hausarbeit. 


Leben, arbeiten und Beziehungen haben. Der Mensch lebt nicht allein! Wir alle sind auf Gemeinschaft angewiesen. Erntedank weist uns immer wieder darauf hin: Wir alle stehen in lebenswichtigen Zusammenhängen. Ohne Saat, Anbau und Ernte gäbe es keine Lebensmittel. Keine Nahrung. Und diesmal war vieles viel früher erntereif. Und aufgrund der Trockenheit gab es auch manchen Mangel. Nur an Arbeit hat es nicht gemangelt. Wie soll man sich da besinnen? Wie kann man da noch Gottes Wort hören und entsprechend wahrnehmen? Ja, und wie kommt Gottes Wort heutzutage überhaupt noch zum Ausdruck? 


Das Perikopenbuch auf dem Schreibtisch verheißt erst einmal Arbeit. Beschäftigung mit den Texten des kommenden Sonntags. Wie kann aus Arbeit etwas Fruchtbares entstehen? Wie kann aus den geschriebenen Worten Glauben und Beziehung wachsen? Das Gelingen liegt nicht allein in unserer Hand. Weder bei der landwirtschaftlichen Ernte noch beim Versuch Gottes Wort zur Sprache zu bringen. Zum Gedeihen braucht es tatsächlich mehr. 


Und da lese ich den Wochenspruch des 13. Sonntags nach Trinitatis, der jetzt vor mir liegt: Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt.25,40) Die geringsten kommen in den Blick. Natürlich auch die weiblichen - die Schwestern. Das Kleine ist bei Christus wertgeschätzt. Es ist der Blick unter die Kruste, hinter die Fassade. Und es ist das Tun! Nicht das Tun, um Pluspunkte zu sammeln, sondern das Tun des Notwendigen! Das Hinsehen und das Helfen wo Not herrscht. Der Mensch lebt eben nicht allein. Nicht allein mit sich selbst. Nicht allein vom Brot. Nein, er lebt aus der Liebe Gottes heraus. Von Worten, die Beziehungen möglich machen, die helfen, den eigenen Wert - die Ernte des eigenen Lebens - als von Gott geliebter Mensch an- und wahrzunehmen. 

So wünsche ich allen einen gesegneten Herbst!


Herzliche Grüße

Ihr Pastor Michael Ostendorf