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Aktuell: Gedenkstein Opfer der Flut 1962

23/08/2022

Erinnerung an die Flutopfer 

von Moorfleet

Mehr als 60 Jahre sind vergangen, seit im Frühjahr 1962 eine der größten Katastrophen der Geschichte über Hamburg hereinbrach: In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar brachen bei einer schweren Sturmflut an mehreren Stellen die Deiche der Stadt. Insgesamt 315 Menschen in Hamburg starben – darunter 14 in Moorfleet, Billbrook und Billwerder. Doch kein Ort erinnerte bislang an die Menschen, die in dieser Nacht in Moorfleet ihr Leben verloren. Das wurde nun auf Initiative des Ehepaares Harder geändert: Neben dem Hauptportal der Kirche St. Nikolai am Moorfleeter Kirchenweg ist jetzt ein massiver Felsstein mit Bronze-Plakette zum Gedenken an die Opfer der Sturmflut zu finden. „Wir danken Pastor Michael Ostendorf für den schönen Platz des Steins vor der Kirche“, sagt Gisela Harder. 


Ehemann Manfred Harder, damals wie heute am Moorfleeter Deich zu Hause, wurde vor 60 Jahren direkter Zeuge der Katastrophe, als auf Höhe des Holzhafens der Deich brach und Menschen sich vor den Wassermassen auf das Dach ihres Hauses retten wollten. „Sie haben noch versucht, sich an den Dachpfannen festzuhalten, doch rutschten ab. Im Wasser machten sie noch zwei, drei Züge und gingen dann einfach unter“, erinnert sich der 82-Jährige. 


Finanziert wurde der Gedenkstein durch die Kollekte, die beim Fluterinnerungsgottesdienst im Februar der Gemeinde Moorfleet, Allermöhe-Reitbrook gesammelt wurde. Manfred Harder sowie Helmut Burmester hatten dabei ihre Erinnerungen aus jenen Tagen geschildert. Auch eine Spende der Frühstücksdamen, die einmal im Monat im Fährhaus Tatenberg zusammenkommen, trug zur Finanzierung des Steins bei. 


Eine der Damen ist Monika Rathmann. Die 71-Jährige ist am Mittleren Landweg groß geworden und erinnert sich, dass ihre Mutter gerade vom Brötchen austragen zurückkam, als das Wasser den Stadtteil „von hinten“ überflutete, weil der Moorfleeter Kanal über seine Dämme getreten war. „Sie kriegte gerade noch die Tür auf“, berichtet Monika Rathmann. Das erste, was die Mutter gerettet habe, seien die Ranzen ihrer Kinder gewesen. „So musste ich weiter zu Schule gehen“, erinnert sie sich, während viele ihrer Schulkameraden fehlten, da die Flut ihnen alles genommen hatte.

Die gesamte Ernte ihrer Eltern wurde in dieser Nacht vernichtet, erinnert sich Barbara Mietzner, deren Familie am Moorfleeter Deich Gemüse anbaute. Gemeinsam mit ihrem Bruder wurde sie zu einem höher gelegenen Haus in der Nachbarschaft evakuiert, weil Teile des Elternhauses einsturzgefährdet waren. Das Schwein, das gerade erst geschlachtet worden war, wurde aber noch gerettet, erinnert sich Barbara Mietzner.


Gruß

Gisela Harder


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