Schmetterlinge
Uns Kirch 72
Allermöhe, 27.4.2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
Schmetterlinge!
In dem Zeitraum dieser Ausgabe von „Uns Kirch“ flattern wieder vermehrt die Schmetterlinge.
Schon vorher, Anfang März, habe ich welche im Harz entdeckt. Wir waren mit dem Bus von Schierke nach Elend unterwegs. Dort bei „Elend Kirche“ ist unsere Haltestelle, von der aus wir den Weg durchs Elendstal an der „Kalte Bode“ entlang zurück nach Schierke beginnen.
Bei „Elend Kirche“ muss ich immer unwillkürlich an die Kirche, ihre Strukturen und die gegenwärtige Situation denken. Es verändert sich so viel. Seit dem 1.1.2026 sind wir die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Marschlande. Für manche mag das ein Elend sein. Aber wir sind diesen Weg zusammen gegangen, um das kirchliche Leben vor Ort und in den Dörfern der Marschlande überhaupt weiter zu ermöglichen, die Kirchen in den Dörfern zu lassen, bewährtes zu bewahren und neues zu probieren.
Mit diesen Gedanken spaziere ich los. Die Kinder laufen schon voraus. Frische Waldluft und das Rauschen der Kalte Bode ziehen mich in ihren Bann.
Und dann liegt da auf einem Baumstumpf einer dieser „Harz-Stones“. Darauf sind zwei Schmetterlinge (in Serviettentechnik) abgebildet. Schön!
Schmetterlinge sind in vielerlei Beziehung von Bedeutung. Man kann sie im Bauch haben. Sie zeigen Leichtigkeit, sind aber auch empfindlich. Und - sie haben ein echte Verwandlung hinter sich. Von der krabbelnden Raupe über die Puppe hin zum prächtigen Großflügler!
Sie haben ihren Namen aus dem ostmitteldeutschen Wort „Schmetten“. Das bedeutet soviel wie Schmand oder Rahm. Im englischen „Butterfly“ klingt das noch an. „Butterfly, my butterfly…!“ Damals meinten Abergläubische es seien „Hexen“, die es auf den guten Rahm abgesehen hätten. Nein, es sind keine Milch- oder Butterdiebe.
Ganz im Gegenteil sie beschenken uns! Durch die Bestäubung tragen sie zum Leben und zur Vielfalt bei. Das ist auf dem anderen Schmetterling zu sehen, den ich einen Tag später bei einem Spaziergang durch Wernigerode als Kunstwerk bestaunen konnte. Kinder haben darauf die Jahreszeiten gemalt. Das Werden und Vergehen. Den Lauf des Lebens. Die Verwandlung.
Schmetterlinge sind für mich ein lebendiger Ausdruck von notwendiger Veränderung.
So sind sie mir auch ein Christussymbol geworden, als ein Schmetterling während der Ansprache einer Trauerfeier aus dem Sargschmuck aufflog und sich in die Lüfte hob. Für einen Augenblick hielt ich inne und alle zusammen schauten in diesem Moment auf den kleinen Falter. Ob wohl alle ähnlich gedacht und empfunden haben wie ich?
Mich hat das zutiefst bewegt! Ganz ähnlich wie die beiden auf dem Harz-Stone kurz hinter der Haltestelle „Elend Kirche“. Wir sind dort nicht stehen geblieben und konnten später den nächsten Schmetterling entdecken. Und das schon Anfang März.
Beim Schreiben dieser Zeilen schaue ich auf den Flieder in unserem Garten und freue mich schon jetzt auf großen Schmetterlingsbesuch!
Ich wünsche allen eine gesegnete Sommerzeit!
Ihr und euer Michael Ostendorf