Aus unserem Gemeindeblatt „Uns Kirch“

Uns Kirch 61 - God bless you

Scheveningen - Holland - Juli 2023

Seepromendade

Handyfoto: Michael Ostendorf

Liebe Leserin, lieber Leser,


Ferien für die Kinder, Urlaubszeit für die Familie. Gerne berichte ich in der Uns Kirch von den Eindrücken aus mir neuen Lebenswelten. Diesmal stand unser Zelt in Holland bei Katwijk man Zee. 


Das Wetter war wechselhaft, so dass wir bei „Nicht-Strand-Wetter“ die Gegend erkundeten. 


Ganz in der Nähe war das große mondäne Seebad Scheveningen, einem heutigen Stadtbezirk Den Haags. 


Es gibt ein großes altes Kurhaus mit Casino, eine Promenade mit vielen Lokalen, Strandbars, Nippesläden und Sehenswürdigkeiten mit hohen Eintrittspreisen: Sealife, Lego Adventures sowie das eindrucksvolle Skulpturen-Museum Beelden man Zee. 


Viel zu sehen und zu erkunden. 


So schlenderten wir - wie viele andere auch - die Promenade entlang. 


Das Riesenrad und der Bungeeturm auf der Seebrücke waren weithin sichtbar. Ein Anziehungspunkt. Wollen wir da mal gucken? Klar! 


Auf dem Weg dorthin entdeckte ich diesen kleinen Pavillon, an dessen Dachumrandung „THE BIBLE THE WORD OF GOD“ zu lesen war. 


Den Schnappschuss mit dem Riesenrad und dem Bungeesprungturm habe ich dann mit dem Handy gemacht. 


Drum herum waren keine weiteren Menschen. Eine kleine Gratisauslage vor der Tür. Einmal drumherum schauen. Der Text steht auf jeder Seite: Englisch, Niederländisch, Deutsch und Französisch. „DIE BIBEL DAS WORT GOTTES!“ 


Es begrüßte mich dann ein freundlicher Herr, der mich beobachtet hatte, auf Niederländisch. Er wünschte mir, da er merkte, dass ich ich ihn nicht verstehen konnte: „God bless you!“ 


Ich eilte der Familie hinterher. Diese Situation und dieser Schnappschuss beschäftigen mich. Und nun schreibe ich Ihnen darüber. 


Da ist einerseits das pralle Leben, das man hier in vollen Zügen auskosten kann. Und andererseits die Botschaft der Bibel als das Wort Gottes, die scheinbar kaum Beachtung findet. Dort lange Schlangen an den Kassen für eine nicht alltägliche Überwindung. Einen Adrenalinschub. Und dort? Ein paar Worte! God bless you! Und tatsächlich fühle ich mich gesegnet. 


Gott möchte in unserem Leben zu Wort kommen. Nur findet es kaum Gehör zwischen all den aufreizenden Angeboten eines besonderen Kicks. Dennoch steht dieser Pavillon genau dort: Mitten im Leben! 


Ähnliche Situationen sind mir dann noch mehrfach begegnet. Und irgendwie waren das zwiespältige - gar widersprüchliche - Erfahrungen. Viele Kirchen sind in Holland aufgegeben oder umgewidmet. Als Gebetsstätten scheinen viele überflüssig geworden zu sein. An dieser institutionalisierten Form von Glaubensgemeinschaft - Kirche - scheint es nur noch wenig Interesse zu geben. 


So habe ich ehemalige Kirchen als Wohnungen, Parkhäuser, Kinos, Kulturstätten, Designläden, Schwimmbäder, Bücherhallen oder Ballettschulen gesehen. Manches davon war sehr stimmig integriert. 


Die Welt - der Mensch - nimmt immer mehr Raum ein. Ist Gott nur noch eine Randerscheinung? Oder ist es allein die Form, die nicht mehr in die Welt zu passen scheint? Schließen sich gegenwärtiges Leben Gott gegenseitig aus? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man auch im Riesenrad oder beim Bungeesprung tiefgreifende Erfahrungen macht, Angst überwinden muss und darauf vertraut, gut aufgehoben zu sein? 


Die vermeintliche Widersprüchlichkeit zwischen diesem gegenwärtigen Leben und Gott scheint mir in die Irre zu führen. 


Manchmal hat es den Anschein, als sei Gott ein Relikt der Vergangenheit. So empfinde ich es aber nicht. 


Gott ist gegenwärtig! Im Urlaub und zuhause! In unser aller Leben! Nicht immer so ausdrücklich in Worte gekleidet, wie ich es in Amsterdam erlebt habe. 


Als wir dort aus dem Central-Bahnhof kamen, standen wir im Regen und in einer von vielen Menschen wimmelnden Stadt. Die Kinder holten Jacken aus dem Rucksack, den ich auf dem Rücken hatte. Ich schaute zur anderen Seite und sah: „GOD ROEPT U - JESUS LOVES YOU“! In großen blauen Buchstaben oben an einer Häuserwand. Wieder ein Schnappschuss! 


Für mich persönlich muss es gar nicht so plakativ sein. Ich mag es auch eine Nummer kleiner. Gott auch dort zu vermuten, wo man es nicht erwarten würde. Gott - in von Jesus geliebten - Menschen zu erkennen. Und auch in denen, die sich kaum noch daran erinnern, jemals geliebt worden zu sein. In all dem bunten Gewimmel der vielen unterschiedlichen Menschen mit all ihren Erfahrungen und Lebenswegen. 


„God bless you!“ Dieser kleine Satz eines mir fremden Menschen klingt mir immer noch nach. Mehr muss es gar nicht sein, um zu Herzen zu gehen!


Ich wünschen Ihnen eine gesegnete Ernte- und Herbstzeit!
Ihr Pastor Michael Ostendorf


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